Was treiben wir da eigentlich seit langem? Befinden wir uns mit unserer Arbeit, der Interpretation und Präsentation neuer Musik im Konzertsaal, noch in ähnlicher Situation wie vor fast 100 Jahren, als gerade entstandene Kompositionen ausschließlich live zu erleben waren und Anton Webern nach der Uraufführung des Pierrot lunaire in Berlin schrieb: „Aber am Schluß war nicht die Spur von Widerspruch. Schönberg und die Aufführenden mußten oft und oft kommen, vor allem natürlich Schönberg; man schrie im Saal nach ihm immer wieder. Es war ein unbedingter Erfolg.“

Nein, so ist es nicht mehr - aber das wollen wir wieder erleben!! Um eine Idee aus der Bildenden Kunst zu gebrauchen: Dafür verstehen wir uns in unserer vermittelnden Interpretenrolle auch gleichzeitig als quasi Galeristen musikalischer Avantgarde - mit dem Ehrgeiz, für Schöpfer und für Rezipienten zeitgenössischer Musik eine gewinnbringende Situation herzustellen.

Dabei stellen wir uns der Herausforderung, neben einer gültigen Aufführung auch die während der Erarbeitung eines neuen Werkes von uns sinnlich erfahrenen Freuden zu transportieren. Denn bei der Übermittlung dieser Dimension hat sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts eine immer größer gewordene Kluft zwischen Interpret und Hörer gebildet. Und diese wieder zu überbrücken ist unser Ziel; gerade jetzt, wo sich zaghaft der umgekehrte Trend zur Entwicklung vor 100 Jahren abzeichnet, nämlich das unmittelbare Musikerlebnis wieder zu suchen. Und an Erfolgen möchten wir Sie beteiligen!

Über Brechts Feststellung „Geld macht sinnlich.“ (Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny) hinaus möchten wir Ihnen mit unserem Slogan ein weiteres Angebot zum Thema Sinnlichkeit unterbreiten. Am liebsten wäre es uns natürlich, wenn beide Quellen gleichzeitig zur Hand wären – über Durststrecken werden wir uns aber weiterhin mit Worten des Regierenden Bürgermeisters zu unserer Stadt und ihrem Leben trösten müssen ...

Andreas Bräutigam