Luigi Nono - Peter Hirsch, Leitung

... Zu Recht weist Peter Hirsch, der Dirigent der vorliegenden Aufnahmen mit den Ensemble UnitedBerlin, darauf hin, daß Canti per 13 (1955) - dem "wohl punktuellsten Stück Luigi Nonos", in dem kein Instrument zwei zusammenhängende Töne spielt - bereits durch seinen Titel Anspruch darauf erhebt, Gesang zu sein. Wo die ersten Exegeten die expressive Seite des Stückes durch Rauheit, Schroffheit und Grobheit herausmeißelten, streicht Hirsch den ruhigen Fluß und die weichen Konturen heraus. In seiner Interpretation klingen die Stücke nicht wie Dokumente eines als revolutionär empfundenen Aufbruchs, sondern als Brückenkopf zum Spätstil Nonos. Dessen letztes Werk "Hay que caminar" soñando (1989) für zwei Violinen, von Andreas Bräutigam und Stephan Kalbe "träumerisch wandernd" (von Notenständer zu Notenständer) gespielt, verdeutlicht die Suche Nonos nach einem "schwebenden Gesang", der nicht an die goldene Kehle eines brüllenden Tenors gebunden ist, sondern als Wetterleuchten zu neuen Wegen des Denkens, Fühlens und Handelns leitet.

Frank Hilberg, DIE ZEIT, 10. Juni 1999

Polifonica - Monodia - Ritmica 9:59
Canti per 13 10:55
Canciones a Guiomar 9:54
"Hay que caminar" soñando 26:43

Mit Unterstützung durch die Pro Musica Viva - Maria Strecker-Daelen-Stiftung

Bestell-Nr. WER 6631-2