SOUNDSCAPE USA

HARVEST KITCHEN | Portraitkonzert Christopher Dylan Bailey
Werke für Instrumente und Elektronik 


Ich habe Christopher Bailey 1997 während meines Studiums an der Columbia Universität kennengelernt. Er war damals ebenfalls im Doktorprogramm für Komposition eingeschrieben und war am "Computer Music Center" in der 125. Strasse Ecke Broadway als Tutor für elektronische Musik für uns Neuankömmlinge tätig. Einmal in der Woche hatten wir Seminar bei Chris. Er saß entspannt und freundlich vorne am Computer (damals noch SiliconGraphics' Indys und NeXT Rechner) und erklärte in wenigen Worten mit seiner charakteristisch knurrenden Stimme wesentliche und avancierte Konzepte und Techniken der digitalen Klangverarbeitung und sah uns dabei von der Seite an. Es schien oft, als versuche er mit so wenig Worten wie möglich zu unterrichten: das Wenige was er sagte war sehr klar, aber auch sehr komprimiert. Oft ließ er lange Pausen entstehen, damit das Gesagte bei uns einsinken konnte. Zu allen Themen seines Kurses gab es Merkblätter, in denen die wichtigsten Punkte zusammengefasst waren. Die Texte hatte Chris selber verfasst. Sie waren zum Teil urkomisch und von plötzlich auftauchenden surrealistischen bis absurden Metaphern durchsetzt. Sein Denken durchschoss mühelos den Kosmos der Komplexitäten und ließ hier beiläufig alle möglichen Szenarien und Sachverhalte in absurde Bilder umschlagen, wo sich oft gegensätzlichste Charaktere mit größter Selbstverständlichkeit begegneten.
All diese Merkmale finden sich auch in Christopher Baileys Musik wieder: sie besticht einerseits durch eine kristalline Klarheit des Designs und der Strukturen, die es tragen. Fast alle seine Stücke sind in unterschiedlichen aber jeweils konsistent gehaltenen Unterteilungssystemen der Oktave geschrieben. Mikrotonalität ist kein Kolorit, sondern Resultat eines gründlich durchgeplanten Verteilungssystems, dass das Klangmaterial vereinheitlicht und ihm jeweils seine charakteristische horizontale und vertikale Sprache gibt. In vielen Stücken scheint eine Art unsichtbares Musiktheater Revue zu passieren, dessen erratische Hochgeschwindigkeitsnarrative von Assoziationen, Zerrspiegelungen, Anspielungen und originellen und überraschenden Einfällen geradezu überborden.
Baileys Schaffen gehört in die große Tradition der amerikanischen Experimentalkomponisten wie Charles Ives, Carl Ruggles, Henry Cowell und LaMonte Young. Charakteristisch für seine Werke ist eine fesselnde Originalität und eine außergewöhnliche Gabe für Erfindung und Kombinatorik, die in seriellen, spektralen und modalen Kompositionstechniken ebenso zu Hause ist, wie in den Grenzgebieten der Popkultur, alles zusammengefasst mit einer enormen rhythmischen Vitalität und klanglichen Imagination.
Im Gegensatz zu den USA ist Baileys Musik in Deutschland bisher noch nicht so bekannt. Wir freuen uns ihn im Rahmen unseres Programmes als diesjährigen cornposer-in-residence unseres Festivals vorstellen zu können. (Oliver Schneller)

The Empty Theatre (quasi-concerto for Piano and String Orchestral)
Dies Komposition ist aus einer Reihe von Werken für große Besetzung, die alle auf Träumen basieren, die ich 1990 hatte. In diesem Fall befand ich mich im Traum in einem leeren Theater, in dem ich ein furchterregendes Gefühl der Einsamkeit hatte.
Es folgte das Bild eine Skeletts, das am Klavier saß. Der zweite Teil des Stückes ist eine Art "Danse macabre"; der dritte bewegt sich in langsam fortschreitenden Texturen, die von delikaten Refrains durchsetzt sind. Das Streichorchester ist hier in fünf "Kammergruppen" unterteilt, die verschiedene Musiken gleichzeitig spielen. An einigen Punkten kommt das Ensemble auch zusammen, die hauptsächlich im dritten Teil.
The Empty Theatre quasi-concerto für Klavier und Streichorchester (2013-14) - UA - Auftragswerk des SinusTon Festivals

Christopher Dylan Bailey
wurde in Philadelphia geboren und studierte Komposition an der Eastman School of Music und an der Columbia University in New York. Seit den 1990er Jahren komponiert er mikrotonal und gründete 2007 mit Aaron
K. Johnson das Midwest Microfest, heute «UnTwelve». Seine presigekrönten Kompositionen zeichnen sich durch einen hohen Grad an Originalität aus und enthalten oft in kürzester Zeit ein Maximum an syntaktischen und semantischen Kontrasten. Er unterrichtete Komposition an der Northeasten University, am College William and Mary und am CCM in Cincinnati.

Catherine Larsen-Maguire
begann ihre Karriere am Fagott. Sie war von 2002 bis 2012 Solo-Fagottistin an der Komischen Oper Berlin und hat mit einigen der renommiertesten europäischen Orchester gespielt. Als Dirigentin gab sie ihr Operndebüt 2009 und dirigierte in den letzten Jahren u.a. die Magdeburger Philharmoniker und mehrfach auch das Orchester der Komischen Oper Berlin. Catherine Larsen-Maguire ist gefragte Dozentin bei Jugendorchestern und dirigierte bei Young Euro Classic die Uraufführung von „Ich flamme – Tänze im Sonnenwind“.
www.larsen-maguire.com