DI 08.12.09 20.00 Uhr
Werner-Otto-Saal



Vom Gehorsam. Von der Verweigerung


ensemble unitedberlin
Sonar Quartett
Ksenija Lukiç
Sopran
Peter Rundel
Leitung


Georg Katzer (geb. 1935)
„Brechungen – Strahlungen“ für Streichquintett

Hans-Peter Jannoch (1938 – 2004)
„Aynn Wintrstück“ – Kammermusik mit Texten der Sarah Kirsch
- Uraufführung -

Helmut Zapf (geb. 1956)
„Contra-Punkte“ für Flöte, Fagott, Schlagzeug, Klavier und Viola

Pause

Helmut Zapf
„Sound“ für Streichquartett

Sebastian Stier (geb. 1970)
„Labiles Gleichgewicht“ für Ensemble
- Uraufführung -

Kaspar Querfurth (geb. 1990)
„Einschluss“ für Klavier und Violine

Helmut Zapf
„via rupta“ für Ensemble
- Uraufführung -


Gefördert von der Ernst von Siemens Musikstiftung



Vom Gehorsam. Von der Verweigerung
Zwanzig Jahre Mauerfall, Wende, Ende der DDR, Wiedervereinigung ... Zwei Jahrzehnte, eine veränderte Welt. Ost und West ver­söhnt? Nord und Süd auseinanderklaffend wie nie? Globalisierung als Chance oder Bedrohung? Eine Gesellschaftsform, die sich Gerechtigkeit auf die Fahnen schrieb, ist an
der eigenen Pervertierung zugrunde gegangen. Und nun das Leben ein Markt, der Mensch Ware? Sehnsucht nach einem an­deren Weg, aber kein Modell, das ihn zeigt? Große Freiheit – aber wozu?
Kunst kann keine Lösungen bieten, Kunst kann Fragen stellen. Kunst kann keine Regierungen stürzen, Kunst kann zum Denken anregen. Kunst kann sich affirma­tiv betätigen, Kunst kann subversiv sein. Kunst kann vom Gehorsam künden, Kunst kann sich verweigern. Hören, Lesen, Sehen, Begreifen – Kunst entfaltet sich konkret, für jeden anders, immer neu. Wie bestimmt der Kontext die Sicht? Gebrauchte Kunst, miss­brauchte Kunst, brauchbare Kunst? War der Herbst '89 eine Revolution? Und war es eine, die erste viel­leicht, ohne Musik? Keine Untergangsklänge, kein Singen vom Aufbruch? Oder doch Signale, das Locken zum Widerstehen? Ist sie anders, die Musik von davor, von danach? Hört man sie anders?
Das ensemble unitedberlin hat für seine Konzertreihe vier Komponisten ausgewählt, die ihre Sozialisierung in der DDR erfuhren: Lutz Glandien, Helmut Zapf, Jakob Ullmann und Nicolaus Richter de Vroe. Geboren um 1955, wuchsen sie hier auf, hatten ihre Wege beschritten, ebene kaum. Gestolpert, aufgestanden, geblieben, gegangen. Sie hatten sich gerieben an einer gesellschaftlichen Realität, die ihre Werke – so oder so – bedingte. Wie bedingt sie die Gegenwart? Der Blick hat sich geweitet. Wurde Neues ihrer Kunst wesentlich? Machte sich die „Wende“ als Zäsur bemerkbar? Die vier Konzerte (22.09., 08.12.09, 02.03. und 18.05.10) geben persönliche Kom­mentare zum gesellschaftlichen Umbruch von '89: „Zeitgenössische“ Musik – aus der eigenen Feder und von komponierenden Kollegen. Rückblicke und Ausblicke. Gehorsam, Verweigerung, Widerstand?

„Brechungen – Strahlungen“
„Dieses Programm“, sagt Helmut Zapf, „steht unter dem Motto von Georg Katzers Quintett ‚Brechungen – Strahlungen’: das Aufbrechen von Stagnation und Enge, das Freisetzen von Strahlungen und Reflektionen im alltäglichen und im musikalischen Sinne.“ Georg Katzer beschreibt seine Komposition folgendermaßen: „Zwischen Klang und Geräusch, Aktion und Ermattung, romantischer Geste und aktionistischem ‚Schallunkraut‘ bewegt sich das 1991 im Auftrag der Bayerischen Akademie der Schönen Künste komponierte Stück. Obwohl die Quintettbesetzung sich vom Streichquartett lediglich durch die Hinzunahme des Kontrabasses unterscheidet, ist der Klang eines Quintetts ein sehr anderer, was man schon bei den mozartschen Stücken studieren kann. So ist die Strahlkraft der fünf Streicher durch den Kontrabass erheblich verstärkt, was z. B. bei den Flageolett-Doppelgriffen zu Beginn der Komposition hörbar ist. Die Vorstellung von diesem charakteristischen Schön-Klang, wie auch von seiner Demontage, war denn auch der Auslöser für die Komposition. Für die zeitliche Organisation ist zu weiten Teilen auf Taktstriche verzichtet worden zugunsten ständiger gegenseitiger Zeichengebung der Musiker. Auf diese Weise entsteht nicht nur eine schwebende Metrik, sondern auch ein Modell von Toleranz und Rücksichtnahme, das freilich in Kunst leichter zu verwirklichen ist als im Leben.“
Georg Katzer, 1935 in Habelschwerdt/Schlesien geboren, studierte Komposition (Rudolf Wagner-Regeny und Ruth Zechlin) und Klavier in Berlin (Ost) und an der Akademie der Musischen Künste in Prag. Danach war er Meisterschüler von Hanns Eisler an der Akademie der Künste der DDR, zu deren Mitglied er im Jahre 1978 gewählt wurde. Seit 1963 lebt Katzer als freischaffender Komponist in und bei Berlin. Er ist Mitglied der Akademie der Künste von Berlin-Brandenburg und der Freien Akademie Leipzig sowie der Akademie der Elektroakustischen Musik, Bourges. Neben seiner kompositorischen Arbeit (Kammermusik, Orchesterwerke, Solokonzerte, drei Opern, zwei Ballette) beschäftigt er sich auch mit Multimedia-Projekten und Improvisation. Kompositionspreise und Auszeichnungen erhielt er in der DDR, in der Schweiz, in Frankreich, in den USA und in der Bundesrepublik Deutschland.

„Aynn Wintrstrück“
„Als weitere Reflektion in die Geschichte erklingt von dem viel zu früh verstorbenen Freund und Kollegen Hans-Peter Jannoch die Komposition ‚Aynn Wintrstück‘. Mit dieser Uraufführung wende ich mich bewusst dem Schaffen Hans-Peter Jannochs zu, unter dessen Leitung meine frühen Kompositionen ‚Contra-Punkte‘ und ‚Rivolto‘ nicht nur uraufgeführt wurden, sondern von dessen Wissen ich bis heute profitiere“ (Helmut Zapf). Zu „Aynn Wintrstrück“ (1999) ließ sich Hans-Peter Jannoch von der suggestiven Lyrik Sarah Kirschs anregen, die als Erstunterzeichnerin der Protesterklärung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns 1977 die DDR verließ und nach West-Berlin ging. Jannoch hat die winterlichen Texte verschiedenen Gedichtsammlungen entnommen: „Der Himmel schuppt sich“ stammt aus „Landaufenthalt“ (1967), „Anziehung“ und „Ruf- und Fluchformel“ aus „Zaubersprüche (1973). Die expressiven Momentaufnahmen, in denen Naturromantik und Liebesschmerz bilderreich aufeinandertreffen, verdichten sich bei Jannoch zu einer „Winterreise“ aus zeitgenössischer Sicht. Die Texte werden dabei nicht durchweg gesungen, sondern grundieren mitunter nur den wortlosen, avancierten Tonsatz. Das subtil inszenierte Vertonungsspektrum reicht vom rein instrumentalen Charakterstück quasi-kanonischer Struktur zu Beginn über die teils instrumentalen, teils vokalen Hexenflüche der „Ruf- und Fluchformel“ bis zum unbegleiteten Klagegesang am Schluss, dessen Text zyklisch auf den Anfang verweist.
Hans-Peter Jannoch, 1938 geboren, studierte an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Komposition und Klavier, war danach Korrepetitor an mehreren Häusern (u.a. Leipzig und Weimar) und maßgeblich auch in der Gruppe Neue Musik Paul Dessau (Weimar) aktiv. 1989 ging er nach Berlin, war Gründungsmitglied des ensemble unitedberlin und unterrichtete bis zu seinem Tod im Jahr 2004 an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Musiktheorie. Seinem charismatischen pädagogischen Wirken stand ein außerordentlich skrupulöser Umgang mit dem eigenen kompositorischen Schaffen gegenüber.

„Contra-Punkte“ und „Sound“
Contra-Punkte‘ entstand 1984/85 während meiner Meisterschülerzeit bei Georg Katzer an der Akademie der Künste der DDR. In dieser Zeit beschäftigte ich mich sehr mit Materialien aus den Werken von J.S. Bach. In dem Stück benutze ich die Tonfolge A-B-D-Cis als Ausgangmaterial. Es sind die Anfangstöne aus der Chorfuge ‚Der saure Weg wird mir zu schwer‘ in der doppelchörigen Motette ‚Komm, Jesu komm‘. Aus der Zerlegung dieser vier Töne in vier verschiedene Dreitongruppen entstanden für mich je zwei Dreiklänge mit gleichen Klangcharakteren: Terz und Sekunde sowie Quinte und Sekunde (D, B, Cis / Cis, B, A / A, D, Cis / D, A, B). Die beiden Klangeigenschaften, unterschiedlich und doch verwandt, gaben dem Stück seine Struktur und Dramaturgie. So besteht das Stück aus zwei Teilen: dem ersten, der punktuell die Instrumente aufeinanderprallen lässt und dem zweiten, der sich aus dem ersten heraus in kleine lineare Formen ergießt.
Nach der Pause erklingt ‚Sound‘ für Streichquartett, eines meiner Werke, die kurz nach der Wiedervereinigung entstanden sind. ‚Sound‘ meint nicht nur ‚Klang‘, sondern aus dem Plattdeutschen kommend (‚sund‘) steht es für ‚Meeresenge‘ und ‚gesund‘ – diese vielfältige Bedeutung hat es auch heute noch im Englischen: gesund, Wohlbefinden, ganzheitlich. So habe ich in dieser Komposition bewusst das Ganzheitliche zwischen dem Spieler und seinem Instrument in den Vordergrund stellen wollen. Dabei mische ich phonetische Laute des Spielers mit Geräuschen und Tönen seines Instruments. Durch diese Verschmelzung von Instrumentalklängen und der Phonetik der Spieler entsteht das ganzheitliche Wirken zwischen beiden Ebenen: Instrument und Spieler werden eins“ (Helmut Zapf).

„Labiles Gleichgewicht“
„Sebastian Stier kenne ich bereits seit seinem Studium an der Hochschule für Musik Hanns Eisler zu Beginn der neunziger Jahre. Er schrieb anlässlich des heutigen Konzerts eine neue Komposition; als Anregung diente ihm ein Phäno­men aus der Physik – ‚labiles Gleichgewicht‘ –, das natürlich auch im Sinne des übergreifenden Themas dieser Konzertreihe gedeutet werden kann“ (Helmut Zapf).
„Gleichgewicht“ ist – in der Physik wie andernorts – eine Situation ausgeglichener Kräfteverhältnisse. Stabil ist das Gleichgewicht, wenn Änderungen des Kräftegefüges letztlich nicht verhindern können, dass sich der Ausgangszustand wieder einstellt (Kugel in einer halbrunden Schale); labil ist es, wenn Veränderungen im Kräftegefüge dafür sorgen, dass eine unwiderruflich andere, neue Situation entsteht (Kugel auf dem „Nordpol“ einer größeren Kugel). Das Moment der Gefährdung also ist beim labilen Gleichgewicht ungleich größer – aber auch das Potential. In der Abweichung, so könnte man sagen, spielt die Musik; der Rest ist Unisono. Sebastian Stiers „Labiles Gleichgewicht“ für Ensemble erkundet diese Spannungsmomente auf zahlreichen Ebenen; stets geht es darum, tendenziell stabile Elemente (z.B. Unisono, Homophonie, Kanon, konzertante Dialoge) widerstrebenden Kräften auszusetzen – auf der Ebene des Tonsatzes, der Form und der Instrumentation. Unterstrichen wird dieses Verfahren von einer gleichsam doppelchörigen Anlage: Jedes Instrument (Trompete, Schlagzeug, Klavier, Streicher) hat seinen Doppelgänger, und die streng symmetrische Aufstellung projiziert den Sog des Zentrums ebenso wie das Mäandern der freien Radikale ins Räumliche.
Sebastian Stier, 1970 in Köthen/Anhalt geboren, studierte von 1991 bis 1997 an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin bei Paul-Heinz Dittrich Komposition. Von 1998 bis 2001 ergänzte er diese Ausbildung durch ein Zusatzstudium bei Hanspeter Kyburz. Seit 2004 ist er Dozent für Tonsatz und Analyse an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“. Im Jahr 2002 erhielt Sebastian Stier ein sechsmonatiges Aufenthaltsstipendium an der Cité Internationale des Arts in Paris. Er wurde für sein kompositorisches Schaffen u.a. mit dem Busoni-Förderpreis der Akademie der Künste Berlin 1997, dem Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart 2001 und dem 1. Preis des Kompositionswettbewerbes der 7. Weimarer Frühjahrstage für zeitgenössische Musik 2006 ausgezeichnet. Sebastian Stier hat Auftragskompositionen für die Musikakademie Rheinsberg, die Dresdner Tage für zeitgenössische Musik, den MDR, den WDR, die Staatsoper Stuttgart und die Wittener Tage für neue Kammermusik geschrieben. Seine Werke wurden u. a. von Ensemble Modern, Klangforum Wien, Ensemble Recherche, Ensemble Resonanz und ensemble courage gespielt und sind vielfach im Rundfunk dokumentiert worden.

„Einschluss“
„Der 1989 geborene Kaspar Querfurth erinnert mit dem bildhaften Titel ‚Einschluss‘ ohne Zweifel an den Mauerbau, nutzt diesen Titel aber rein musikalisch: Er schließt im Verlauf seines Werks mehr und mehr musikalische Parameter aus, so dass das Stück stringent in die Einöde führt“ (Helmut Zapf). „Der Titel“, führt der junge Zapf-Schüler Kaspar Querfurth über seine 2008 entstandene Komposition für Violine und Klavier aus, „bezieht sich auf das Phänomen, dass Fremdstoffe in einen Kristall oder Schmuckstein eingeschlossen werden, wie zum Beispiel ein Insekt in einen Bernstein. In dem Stück geht es darum, dass sämtliche musikalischen Aktionen (das ‚Lebendige‘) in einem bestimmten Tonambitus eingeschlossen werden. Auch bewegt sich die Tonlage der Violine größtenteils zwischen den Klavierstimmen und nicht darüber.“
Kaspar Querfurth, 1990 in Berlin geboren, erhielt seit 2000
Schlagzeugunterricht und ab 2003 Kompositionsunterricht bei Helmut Zapf. Mehrfach errang er Preise bei „Jugend komponiert“ Berlin/Brandenburg und auf Bundesebene; 2007 war er Preisträger des Schülerkompositionswettbewerbs der Berliner Philharmoniker. Im Juni 2009 machte er sein Abitur, seit dem Wintersemester 2009/10 studiert er an der Musikhochschule Lübeck Komposition bei Dieter Mack.

„via rupta“
Helmut Zapfs Programm endet mit der Uraufführung eines eigenen Werks – der Ensemblekomposition „via rupta“: „‘Via rupta‘ war im altlateinischen Sprachgebrauch die Bezeichnung für ‚Weg‘ und ‚Strasse‘, eine Zeitlang war es nur noch das Wort ‚rupta‘, das für die Bezeichnung ‚Weg‘ stand. Dabei inspirierte mich auch die Verwandlung dieses Begriffs und seine daraus resultierende Vieldeutigkeit, die sich im Altfranzösischen zunächst zu der ‚Rote‘ und später zu ‚Route‘ formte – bis hin zu dem Wort ‚Routine‘. Wörtlich übersetzt bedeutete es ‚gebrochener Weg‘, ‚gerissener, gesprengter Weg‘ und meint, dass ein Weg in die Landschaft gebrochen wurde, ein Stück Land zum Ausbau, zur Fortbewegung und Entwicklung urbar gemacht wurde. Eine ‚Rupta‘ konnte aber auch eine besondere auserwählte Menschengruppe bezeichnen (später ‚Rotte‘, eine Bande, eine ausgewählte Gesellschaft), die sich konsequent für eine Sache einsetzt. Um für dieses Konzert ein neues Stück zu schreiben, lag es für mich nahe, nicht nur diesen Titel zu wählen, sondern auch über begangene Wege, Stationen und Aussichten in Bezug auf den Mauerfall zu reflektieren. Musikalische Grundlage dazu bilden die Töne F und A, die ich ganz simpel dem Wort Fall (fall) entnahm und die ich durch symmetrisches Erweitern, Überspringen und Brechen zu einer eigenen urbar gemachten Rupta – Materialbasis – machte: D, Dis, Fis, Gis, H, C.“

Helmut Zapf
Geboren 1956 in Rauschengesees (Thüringen), erhielt Helmut Zapf ersten Klavier- und Orgelunterricht beim Ortspfarrer Gerhard Voltz. Von 1974 bis 1979 studierte er Kirchenmusik in Eisenach und Halle (Orgel bei Gottfried Preller und Hans-Günter Wauer, Tonsatz bei Johannes Petzold). Während dieser Zeit besuchte er regelmäßig den Ferienkurs für Neue Musik in Gera, insbesondere den Kompositionskurs bei Paul-Heinz Dittrich und die Elektronikkurse bei Lothar Voigtländer. Von 1979 bis 1982 arbeitete er als Kantor und Organist in Eisenberg (Thüringen). 1982 wurde er Meisterschüler an der Akademie der Künste der DDR in Berlin bei Georg Katzer und studierte dort, mit Unterbrechung durch die Zeit der Waffenverweigerung als Bausoldat, bis 1986. Seither arbeitet er als freiberuflicher Komponist und hat Lehraufträge an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ und an der Musikschule Kreuzberg. Er lebt in Zepernick bei Berlin, wo er 1992 mit seiner Ehefrau Karin die „Zepernicker RANDSPIELE“ ins Leben rief.
Für sein umfangreiches kompositorisches Schaffen wurde Helmut Zapf u.a. mit dem Hanns-Eisler-Preis von Radio DDR, dem Valentini Bucchi Preis der Stadt Rom (beide 1987) und dem Kunstförderpreis der Akademie der Künste Berlin/Brandenburg (1992) ausgezeichnet. Stipendien und Arbeitsaufenthalte führten ihn an die Villa Massimo Rom (Ehrengast, 1994), die Cité des Arts in Paris (1997), den Künstlerhof Schreyahn (2000), die Villa Serpentara in Olevano Romano (Akademie der Künste Berlin, 2005), die Casa Baldi in Olevano Romano (2008) und das Künstlerhaus Lukas in Ahrenshop (2009).

Porträt der Mitwirkenden

ensemble unitedberlin
Das 1989 gegründete Ensemble – Sinnbild der wiedergewonnenen Verbindung von Musik und Musikern in der lange geteilten Stadt – ist nicht nur im musikalischen, sondern auch im internationalen Sinne grenzüberschreitend: Gastkonzerte auf Festivals neuer Musik in Albanien, Brasilien, Israel, Polen, Russland, Spanien, Südkorea, China, Ungarn und in der Schweiz begleiten die regelmäßige Arbeit in Berlin. Jüngste internationale Engagements waren Auftritte bei der Biennale Venedig, beim Steirischen Herbst in Graz und in der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom. Integrale Aufführungen im Bereich der neuesten Musik, eingebettet in den Kontext des modernen Kammermusikrepertoires – von Schönberg und Webern bis zu Nono und Cage. Zahlreiche Konzertprogramme in enger Zusammenarbeit mit Kom­ponisten wie Vinko Globokar, Wolfgang Rihm, Mauricio Kagel, Christian Wolff, Toshio Hosokawa, Helmut Lachenmann und György Kurtág. Die Aufführungen wurden von den Kom­ponisten in der Erarbeitung betreut und mit Vorträgen, instrumentalen Workshops und Dokumentarprojekten ergänzt.
Ein besonderes Merkmal des ensemble unitedberlin ist die spartenübergreifende Arbeit. Die fünftei­lige Reihe „Musik im Dialog: Farbe, Form, Figur“ widmete sich den Bezügen zwischen bildender Kunst und Musikstücken der letzen fünfzig Jahre. In Vinko Globokars Musiktheaterwerk „Les Emigrés“ werden Fotografie und Film als Gattungen des szenografischen Geschehens integriert, in Schönbergs „Die glückliche Hand“ und Karl Amadeus Hartmanns „Simplicius Simplicissimus“ das Theater. Gegenwärtige Projekte sind neben der vierteiligen Reihe im Konzerthaus Berlin u.a. ein Projekt mit neuen Kompositionen für ein Ensemble aus asiatischen und europäischen Musikinstrumenten sowie ein Porträtkonzert mit Werken von Vinko Globokar unter Beteiligung des Komponisten.
Zahlreichen CD-Produktionen. Über die CD des Ensembles mit Werken von Luigi Nono (WERGO 6631-2) schrieb Paul Griffiths: „There have been a lot of Nono releases since the composer's death in 1990. This is one of the best“ (New York Times, 29. Dezember 1998).


Martin Glück Flöte  Birgit Schmieder Oboe  Erich Wagner Klarinette  Stefan Siebert Fagott  Bodo Werner Horn  William Forman, Ulf Behrens Trompete  Yoriko Ikeya, Akiko Yamashita Klavier  Ewa Korolczyk, Christoph Grahl Percussion  Susanne Zapf, Kirsten Harms Violine  Nikolaus Schlierf Viola  Cosima Gerhardt, Lea-Rahel Bader Violoncello  Matthias Bauer Kontrabass 

Sonar Quartett
Hervorgegangen aus dem DASZ-Quartett, wurde das Sonar Quartett 2006 von Susanne Zapf, Gregor Dierck, Nikolaus Schlierf und Cosima Gerhardt gegründet. Seit 2007 arbeitet es in der gegenwärtigen Besetzung, wobei alle seine Mitglieder auch im ensemble unitedberlin spielen. Das Quartett setzt seinen Repertoireschwerpunkt bei der Musik des 20. Jahrhunderts und arbeitet eng mit zahlreichen Komponisten zusammen. Neben Auftritten bei verschiedenen Festivals in Deutschland hat es seit 2007 die eigene Konzertreihe „Berlin im Quadrat“. Bisher kann es auch 16 Uraufführungen verweisen, acht Werke entstanden eigens für das Sonar Quartett

Kirsten Harms, Susanne Zapf Violine
Nikolaus Schlierf Viola
Cosima Gerhardt Violoncello

Peter Rundel
wurde 1958 in Friedrichshafen geboren und studierte Violine bei Igor Ozim und Ramy Shevelov in Köln, Hannover und New York sowie Dirigieren bei Michael Gielen und Peter Eötvös. Daneben erhielt er Unterricht bei dem Komponisten Jack Brimberg in New York. 1984 bis 1996 war er als Geiger Mitglied des Ensemble Modern, dem er auch als Dirigent weiter verbunden ist. Im Bereich der Neuen Musik langjährige Zusammenarbeit auch mit dem Ensemble Recherche, dem Asko Ensemble, dem Klangforum Wien, dem Ensemble Intercontemporain Paris, dem Ictus Ensemble Brüssel und der musikFabrik Köln. Als Dirigent gastiert er u.a. beim DSO und RSO Berlin, RSO Stuttgart, bei den Orchestern des Bayerischen Rundfunks, des Norddeutschen Rundfunks, des Südwestfunks Baden-Baden, des Hessischen Rundfunks, des Saarländischen Rundfunks und des ORF Wien sowie beim Orchestra Nacional de Madrid, Orchestre National de Lille, Orquestra Nacional do Porto und beim Philharmonia Orchestra London. In den vergangenen Jahren übernahm musikalische Leitung des Königlich-Philharmonischen Orchesters von Flandern (koordinierter Chefdirigent gemeinsam mit Philippe Herreweghe von 1998 bis 2001), der Kammerakademie Potsdam (1999-2001) und der Wiener Taschenoper (seit 1999). Seit Januar 2005 ist er Musikalischer Leiter des Ensemble Remix in Porto.
Peter Rundel leitete Opernuraufführungen an der Deutschen Oper Berlin, der Bayerischen Staatsoper, bei den Wiener Festwochen sowie den Bregenzer Festspielen und arbeitete dabei mit namhaften Regisseuren wie Peter Konwitschny, Philippe Arlaud, Reinhild Hoffmann und Joachim Schlömer zusammen. Für seine Aufnahmen mit Musik des 20. Jahrhunderts erhielt er zahlreiche Preise, darunter mehrmals den Preis der deutschen Schallplattenkritik.

Ksenija Lukiç
studierte in ihrer Heimat Serbien Gesang sowie italienische Sprache und Literatur. Weitere Studien in Siena und an der HdK Berlin. Im lyrischen- und Koloratur-Fach sang sie nahezu 60 Partien (u.a. Susanna, Mysette, Adina, Michaela, Lauretta, Rosalinde, Saffi) an verschiedenen Theatern in Deutschland. Solistisches Auftreten bei zahlreichen Festivals (Berliner Festwochen, Edinburgh Festival, Weltmusiktage Seoul, Biennale Berlin, Biennale und EXPO Hannover, MDR Musiksommer, Weimarer Kulturfest, Ruhrfestspiele Recklinghausen, Huddersfield, Strasbourg) sowie u.a. in der Berliner Philharmonie, der Kölner Philharmonie, im Gewandhaus Leipzig, im Konzerthaus Wien, im Auditorio National in Barcelona und Madrid. Im Konzerthaus Berlin sang sie mit dem RSO die Titelpartie der Oper „Wenn Sardakei auf Reisen geht“ von Ernst Krenek (Auszeichnung der Aufnahme mit dem Echo-Klassik Preis 2007). 2005 Mitwirkung bei der Inszenierung „Seven attempted escapes from silence“ an der Deutschen Staatsoper. Im Bereich der Neuen Musik trat Ksenija Lukiç mehrfach mit dem Ensemble Modern, der Musikfabrik NRW, dem Ensemble Recherce, dem ensemble unitedberlin und dem KNM Berlin auf. Zahlreiche Uraufführungen. Bei der Berliner MaerzMusik sang sie in „Michaels Jugend“ sowie bei den Salzburger Festspielen 2003 in der Uraufführung von „Düfte-Zeichen“ („Sonntag aus Licht“) von Stockhausen. 2007 Titelpartie der Amada in Sánchez-Verdùs Oper „El viage a Simorgh“ am Tetro Real in Madrid. Zahlreiche Rundfunk- und CD Aufnahmen im Bereich der klassischen und Neuen Musik, u.a. 2002 von Boulez’ „Improvisation sur Mallarme I et II“.