Sergej Prokovief - Trapèze
ein vergessenes Ballett von Sergej Prokofiev

In den letzten Jahren hat die Kuratorin des „Serge Prokofiev Archive“ (London) Noëlle Mann in großartiger Kleinarbeit das Puzzle um das Ballett Trapèze von Prokofiev zusammengesetzt und es rechtzeitig zum 50. Todestag des Komponisten der Öffentlichkeit vorstellen können. Die durch Samuel Becker gearbeitete Rekonstruktion des Werkes wurde im vergangenen Jahr in Großbritannien und in den USA in konzertanten bzw. Ballett-Aufführungen präsentiert.



Der Schöpfer der wohl bekanntesten und schönsten Ballettmusiken des 20. Jahrhunderts - genannt seien nur Romeo und Julia und Cinderella - hat hier ein Meisterwerk der Gattung vorgelegt, das seine späteren Erfolge in diesem Genre bereits ankündigt. Die Musik entstand 1924 als Auftrag des „Romantischen Balletts“ von Boris Romanov, eines seit 1921 in Berlin lebenden russischen Choreographen: Für eine Tournee durch deutsche und italienische Städte wurde ein Stück gesucht, das eine Zirkusgeschichte zur Grundlage haben und sich an die kleine instrumentale Besetzung des „Tourneeorchesters“ halten sollte - Oboe, Klarinette, Violine, Viola und Kontrabass. Durch verschiedene Umstände wie mangelnde Finanzen, Intrigen der Prima-Ballerina etc. kam es nicht zur geplanten Tournee 1924, sondern erst im folgendem Jahr. Da aber Prokofiev das für diesen Anlass geschriebene Werk nicht unbedingt an das Schicksal der ungesicherten Aufführung durch die Kompagnie knüpfen wollte, entschloss er sich in der Zwischenzeit zu einer konzertanten Fassung des Werks für eine anstehende Aufführung in Moskau. Diese Version hat als Quintett op. 39 bis heute überlebt; sie umfasst die Sätze 3-8 der vollständigen Ballettmusik Trapèze. Und genau die beiden im Ballett vorangestellten Teile waren seit den Aufführungen 1925 verschollen. Die Premiere des Werks fand am 6. November 1925 im Landestheater Gotha statt, Kritiker berichten in den Ausgaben des „Gothaischen Tageblatt“ vom 7. und 9. November von diesen Aufführungen.

Nachdem im Februar 2004 in Berlin die Deutsche Erstaufführung der rekonstruierten Fassung von Trapèze konzertant durch unitedberlin stattfand, haben wir als Interpreten versucht, eine szenische Ergänzung zu diesem farbigen Werk Prokofievs zu finden – um der ursprünglichen Idee des Werks wieder näher zu kommen. Dabei stießen wir auf die Video-Künstlerin Claudia Esslinger, die wir durch unsere Aufführungen ihres 2002 mit der koreanischen Komponisten Yunkyung Lee fertiggestellten Videos Texture Mapping kennenlernten. Für das Eröffnungskonzert des Festivals intersonanzen in Potsdam ist sie mit einer Video-Realisation der vollständigen Fassung von Trapèze beauftragt worden.