24. März 2013, 19.30 Uhr - Haus der Berliner Festspiele
Schaperstraße 24, 10719 Berlin

ensemble unitedberlin & friends

ensemble unitedberlin
Sidare
Ferenc Gábor
, Leitung 



Das ensemble unitedberlin & friends unter der Leitung des Dirigenten Ferenc Gábor spielt eine Reihe von bemerkenswerten Werken von Komponisten, die im islamisch geprägten Mittelmeerraum beheimatet sind oder dort ihre Wurzeln finden, darunter Hamza El Din aus dem Sudan, der anglo-marokkanische Komponist Brahim Kerkour, Amr Okba aus Ägypten, der heute in Österreich lebt, der in Paris angesiedelte Karim Haddad aus dem Libanon, Iyad Mohammad als Sohn jordanischer Eltern palästinensischer Abstammung in München geboren, und der palästinensisch-israelische Komponist Samir Odeh-Tamimi, der seit langem in Deutschland und heute in Berlin lebt.
In unterschiedlicher Besetzung, vom Streichquartett über gemischtes Ensemble bis hin zum Kontrabass solo, werden in diesem vielschichtigen Konzert Stücke gegenüber gestellt, die sehr individuellen künstlerischen Ansätzen folgen und unterschiedliche musikalische Perspektiven aufzeigen.
Das Ensemble SIDARE bildet dazu einen Kontrapunkt mit traditioneller Musik. Seine Musiker stammen aus dem Irak und leben heute in Europa. Im Exil pflegen sie die speziell für Bagdad typische musikalische Tradition der Rezitation von uralten strengen Gesängen (Maqam) über bestimmte Tonfolgen weiter und geben heute Konzerte auf allen Kontinenten der Erde.


Kritiken aus dem Festival MaerzMusik 2013

Und weil das so ist, ragte im letzten Hauptkonzert mit dem Ensemble UnitedBerlin der 2006 verstorbene Ägypter Hamza El Din mit seinem Stück "Escalay" für die viersaitige Langhalsgeige Djoze und Streichquartett heraus. Hamza El Din, Pionier der Weltmusik, lud das Streichquartett ein, Gast zu sein in der Neunteltönigkeit arabischer Maquams, und zum großen Lob der Spieler folgten diese und zeigten, dass es des fremden Instruments eigentlich nicht bedarf, wenn das klangliche Bauchgefühl vorhanden ist. (Mathias R. Entreß)

MusikTexte, Ausgabe 137, Mai 2013


Spannender und überzeugender fiel das Schlusskonzert mit dem erfahrenen ensemble unitedberlin und dem aus dem Irak stammenden Sidare-Duo aus. Saad Thamir beeindruckte mit der Wandlungsfähigkeit seiner Stimme und ebenso mit komplexen Trommelrhythmen. Sein Partner Bassem Hawar ergänzte den nasalen Klang der Djoze, einer aus einer Kokosnuss hergestellten Kniegeige, die es schon seit 5.000 Jahren gibt. Hawar wirkte auch mit bei der Komposition „Escalay" (1971) für Djoze und Streichquartett des Ägypters Hamza EI Din, die Steve Reich und Terry Riley beeindruckt haben soll. Tatsächlich übten der wiederholte Wechsel von Solo-und Unisono-Teilen sowie das Gegeneinander verschiedener Tonsysteme bei aller Einfachheit einen beträchtlichen Reiz aus. (Albrecht Dümling)

neue musikzeitung, Mai 2013


So entstanden allein durch die Erweiterung gängiger Ensemblebesetzungen mit solchen Instrumenten per se neue Klangqualitäten. Eine ähnliche Methode verfolgte Escalay des 2006 verstorbenen »Pioniers der Weltmusik« Hamza El Din am darauffolgenden Tag im Konzert des Ensemble unitedberlin & friends: Er kombinierte das Streichquartett - eine abendländische Gattung par excellence - mit der traditionellen Djoze, einer Art Kniegeige. Idiomatische spieltechnische Erweiterungen der Streichinstrumente wurden dabei auf die Djoze übertragen und vice versa und erzeugten eine verblüffende Klangheterogenität. (Julian Kämper)

Positionen, Ausgabe 95, Mai 2013