26. Juni 2016, 20.00 Uhr
Elisabeth-Kirche, Berlin



Ein Konzert zu Hans Werner Henzes 90.:
Musik hat eine Herkunft, eine Gegenwart und eine Zukunft.

(Hans Werner Henze in seiner Autobiographie)



Hans Werner Henzes multiple Begabungen über das Komponieren hinaus machten ihn nicht nur zu einem der erfolgreichsten deutschen Opernschaffenden - auch seine Lehrtätigkeit war von hohem künstlerischen Ertrag: Er folgte in der ersten Hälfte der 80er Jahre einem Ruf an die Musikhochschule Köln und in dieser Zeit studierten bei ihm als Meisterschüler drei junge Komponisten, deren Werke weiterer Gegenstand unseres Programms sind. Alle drei haben inzwischen ihre Verdienste erworben: Detlev Glanert vor allem als erfolgreicher Opernkomponist, Cord Meijering und Stefan Hakenberg auch als Lehrende. Beide Letztgenannten sind die Direktoren der Akademie für Tonkunst Darmstadt bzw. der darin beheimateten Musikschule und ihrer Kinderkompositionsklasse (Henze war ja auch in dieser Hinsicht sehr aktiv, geradezu ein Vorreiter der heutigen Education-Projekte, er nannte es seine „kultur-animatorische Tätigkeit“). Damit sind wir auch - quasi geographisch - an einem neuralgischen Punkt in Henzes Vita angelangt: Bei seinen teils bitteren Erfahrungen, die für ihn mit den Darmstädter Ferienkursen in den 50er Jahren verbunden waren, bevor er sich endgültig von dieser damals wie heute einflussreichen Einrichtung und ihren wichtigsten Vertretern verabschiedete. Seine Schlussfolgerungen aus diesem Weggang allerdings führten ihn nicht auf einen der Mitwelt gerade erscheinenden Weg, sondern durchliefen im Laufe der Jahrzehnte verschiedenste Haltungen in Bezug auf die Themen Politik, Komposition und Lebensart. Dafür wurde er wahrlich nicht nur gefeiert, sondern nach allen Regeln der Kunst auch geschmäht.

Mit diesem Konzert möchten wir den Henze‘schen Geist jener Jahre, der zweifelsfrei großen Einfluss auf die genannten Jünger(en) hatte, wieder aufleben lassen. Und dieser Esprit bestand mit Sicherheit nicht nur aus der Weitergabe von Wissen über das Komponieren, sondern umfasste darüber hinaus Ansichten zu wichtigen Aspekten des aktuellen gesellschaftlichen Daseins: Henze war ein engagierter Kämpfer gegen tradiertes Gedankengut aus den finstersten Jahren deutscher Geschichte und - auch wenn er Deutschland den Rücken gekehrt hatte - für die Überwindung der damit verbundenen Geisteshaltung. Man höre nur den
Versuch über Schweine mit dem Gedicht von Gastón Salvatore - ein Zeugnis für die Positionen der beiden befreundeten Künstler in Zeiten des Umbruchs.

Konzeption und Realisation: Andreas Bräutigam