15. Januar 2017, 20.00 Uhr
Konzerthaus Berlin, Werner-Otto-Saal



ENSEMBLE IN RESIDENCE
VLADIMIR JUROWSKI, Artistic Advisor



Italienisches Liederbuch

Psychedelisches - von Gesualdo zu Jim Morrison: Liebe, Eifersucht und Tod - das ganze Programm, was will man mehr an einem Abend?

Gesualdo, Fürst und Komponist, Mörder seiner Frau aus Eifersucht und Schöpfer schönster Musik der Renaissance (die man in ihrer Chromatik auch als psychedelic music hören kann), verführt Salvatore Sciarrino dazu, zwei der vor 400 Jahren entstandenen Gesualdo-Madrigale sottovetro, klanglich "hinter Glas" zu setzen. Mit diesem Kunstgriff betont Sciarrino die große zeitliche Distanz zu den Originalen, kann sie aber gleichzeitig in seiner persönlichen Klangsprache präsentieren.

Während Gesualdo bei seiner Untat offensichtlich mit Vorsatz handelte, lässt Claudio Monteverdi, des Fürsten Zeitgenosse, Orpheus (getreu der Überlieferung) der Geliebten ebenfalls verlustig werden - hier allerdings in der fahrlässigen Art; diesen entscheidenden Moment hat Silvia Colasanti herausgegriffen: "Weh mir! Viel zu süß und viel zu bitter ist der Anblick" und damit den Grundstein ihrer 2009 fertiggestellten Melodram Orfeo gelegt.

Der Kontrast zur Musik Fausto Romitellis und zu den Texten, die er sich bei Jim Morrison geliehen hat, könnte nicht viel größer sein. Dessen oft von ihm selbst ausgesprochene Neigung zum Tod (siehe „My only friend, the end”) ist auch in Romitellis Lost zu vernehmen: „I wish clean death would come to me”, wobei die Zuhilfenahme von psychedelic drugs beim Verfassen seiner Poesie sicher keine geringe Rolle gespielt hat. Die Klangwelt dieses Werkes entspricht des Komponisten Affinität zur Rock- und Technomusik, die er nie verleugnete.

Konzeption: Andreas Bräutigam

Programmhefttext


Kritiken:
Berliner Zeitung
hundert11