9. Juni 2017, 20.00 Uhr
Elisabeth-Kirche, Berlin



Ein Konzert zu Isang Yuns 100.:

Isang Yun in Kunst und Politik - bis heute



Der 100. Geburtstag Isang Yuns, dieses für das Berliner Musikleben sehr wichtigen Künstlers, gibt uns Anlass, über sein Wirken und seine Wirkung nachzudenken.

Das Thema unseres Vorhabens verweist neben dem künstlerischen Aspekt natürlich auf die stark politisch ausgerichtete Tätigkeit Isang Yuns. Und es ist nicht verfehlt, von
Gefolgschaft und Verweigerung in Kunst und Politik bzw. in seinem Fall von der für ihn gefährlichen Verbindung von Kunst und Politik zu sprechen. Seine Biographie ist hinlänglich bekannt, aus ihr entspringt bis heute eine Ausgrenzung seiner Person in südkoreanischer Politik und Kulturpolitik, die vor allem von konservativen, rechtsgerichteten Kreisen ausgeht und ihn hinderte, sein Land zu Lebzeiten noch einmal zu besuchen. Und damit ist auch die Rezeption seines Werkes zu großen Teilen unterbunden. Kurioserweise wird sein Andenken im Norden wesentlich höher gehalten; verkrustete Strukturen im Nebeneinander beider koreanischer Staaten machen es aber schwer, Grenzen zu durchdringen.

Yun hat in Berlin Studenten aus aller Welt unterrichtet - aber wie reagieren heute in Berlin lebende Komponisten auf ihn? Wir versuchen dies in einem kleinen Ausschnitt darzustellen und befragen die beiden koreanischen Komponistinnen
Myung-Sun Lee und Unsuk Chin. Lee arbeitet gerade (gefördert durch ein Kompositionsstipendium der Senatsverwaltung Berlin) an einem neuen Werk für diesen Anlass, von Chin erklingt die virtuose Fantaisie mécanique, komponiert noch zu Lebzeiten Yuns.
Dabei ist eine Erweiterung des Blicks nach Japan, wo Isang Yun anfangs studierte, erlaubt:
Toshio Hosokawa ist sein wahrscheinlich bekanntester Student aus Berliner Zeiten und sicher einer seiner größten Verehrer, er hat nach Yuns Tod ihm sein Memory gewidmet. Diese Lehrer-Schüler-Linie setzt sich fort mit Eiko Tsukamoto, denn Hosokawa war ihr erster Kompositionslehrer. Ihre Raummusik Peripherie entstand 2015, seitdem lebt sie in Berlin.

Als begleitende Veranstaltung werden wir die großartige
filmische Dokumentation von Maria Stodtmeier (Isang Yun - Inbetween North and South Korea) zeigen, als Produzentin wird sie auch zu ihren Eindrücken in den beiden Koreas während der Entstehung des Videos im Jahr 2015 berichten.


Konzeption und Realisation: Andreas Bräutigam