3. Juni 2018, 20.00 Uhr
Villa Elisabeth



Ein Soundtrack unserer Gegenwart:

Fabio Cifariello Ciardis Voci vicine (2014)
Passion in 4 parts for journalist, video, ensemble and electronics

Auf der Bühne: Ein Journalist, ein Ensemble von sieben Musikern, ein Dirigent und viele Stimmen und Gesichter auf einer großen Leinwand. Es sind Stimmen der Empörung, einer Empörung der Herzen und des Verstandes, auch des „Bauches“.

Voci Vicine
von Fabio Cifariello Ciardi entwirft ein Bild der italienischen Gegenwart. Ciardi ordnet hunderte von ihm gesammelte, leidenschaftlich von den Menschen vorgetragene Video-Interviews und bringt seine Musik mit der Flut der Stimmen in Einklang: Rhythmus, Intonation und Dynamik des Vortrags sind transkribiert in die Komposition und verstärken die Eindringlichkeit des gesprochenen Worts.

Ciardi orchestriert die Fakten für ein Ensemble von sieben Musikern, die neben ihren Instrumenten auch ungewöhnliche Soundobjekte spielen. Und schließlich integriert er die Originalstimmen zu einem mehrschichtigen Klanggewebe, gegliedert durch Arien, Rezitative und Strettas, inspiriert von italienischer Oper. Das Resultat ist ein faszinierender Dialog zwischen gesprochenen Stimmen und sprechenden Instrumenten, die die emotionale Intensität der Sprecher einfangen, reflektieren, verstärken.

Hinterfragt wird dabei die Rolle des Einzelnen, der Medien, der Berichterstatter, der Politik. Schauplatz ist die Öffentlichkeit Italiens, Hauptdarsteller sind die Menschen mit ihren Sorgen und Ängsten. Stimmen und Musik verweben sich zu einem dichten Klang, entwickeln einen Dialog, moderiert von einem Journalisten. Doch
Voci Vicine ist kein moralisierendes Stück. Es dokumentiert. Und es ist zeitgenössische Musik, die mitreißt und einlädt mitzudenken, auch nach der Aufführung, außerhalb des Konzertsaales.