Märchen mit Musik
Märchen von Hans Christian Andersen / Kompositionen von Georg Katzer und Hans Josef Winkler / Videoanimationen von Troelz Schmidt

Die chinesische Nachtigall
Georg Katzer - Die chinesische Nachtigall (1993) für Erzähler und Ensemble (Flöte, Klarinette, Violoncello, Percussion, Harfe, Computerzuspiel); ca. 40 Min.

Was bleibt von der Musik, wenn eine Software Kompositionen erschafft, die man von den Werken der großen Meister nicht unterscheiden kann? Was ist geistiges Eigentum noch wert? Ist die Technik der Natur am Ende überlegen? Um solche Fragen ging es beim Festival „Unmenschliche Musik“, das Anfang 2013 im Haus der Kulturen der Welt stattfand.
Fragen, wie sie zum Teil auch Georg Katzers Stück
Die chinesische Nachtigall stellt. Das Werk, ursprünglich als Musik zu einem Puppenspiel konzipiert, beruht auf einem Märchen von Hans Christian Andersen, in dem eine echte und eine mechanische Nachtigall miteinander rivalisieren. „Die künstliche Nachtigall kann von heute aus betrachtet nur ein Computer sein“, meint Katzer (und hat für diesen Part einen kleinen Computer programmiert).
Die echte Nachtigall im Garten des Kaisers von China ist weltberühmt. Als ihm aber der Kaiser von Japan eine mit Edelsteinen besetzte, mechanische Nachtigall schenkt, kommt es zum Sängerwettstreit - am Ende triumphiert die echte.
Andersen erzählt uns eine poetische Geschichte vom Wert des Originals und dem Zauber der Musik. Die philosophische Botschaft: Man kann zwar nicht alles besitzen, sich aber trotzdem daran erfreuen. Die Nachtigall wird weiterhin für den Kaiser singen – allerdings nur in Freiheit und nicht länger im goldenen Käfig.
Das Bühnenbild greift die verschiedenen Welten (den Palast / die Wildnis), von denen hier die Rede ist, vor allem atmosphärisch auf und illustriert sie nicht etwa realistisch. Andersens Beschreibung manch „chinesischer“ Besonderheiten wird in der Inszenierung humorvoll herausgeschält. Die Musik ist anspruchsvoll, Katzer dazu: „Ich habe ganz bewusst jede Kindertümelei zu vermeiden versucht.“


Paper Cuttings Music
Hans Josef Winkler - Paper Cuttings Music (2011) für Ensemble (Flöte, Klarinette, Fagott, Harfe, Klavier, Geige, Bratsche, Violoncello), Videoanimationen und Sprecher; ca. 60 Min.

Hans Christian Andersens Märchen sind weltberühmt. Was jedoch weniger bekannt ist: Bei seinen Reisen durch ganz Europa, nach Nordafrika und in die Türkei sowie bei den vielen Besuchen im heimatlichen Dänemark hatte Andersen stets Schere und Papier dabei. Er schnitt, während er erzählte. Im Roman „Die beiden Baronessen“ heißt es: „Ich verstand mit einer Schere die allerschönsten Sächelchen zu schneiden, das hatte ich schon als Kind gekonnt, und in vielen Familien bewahrt man noch die von mir ausgeschnittenen Sachen.“

Zu sieben Scherenschnitten von Hans Christian Andersen hat Hans Josef Winkler seine
Paper Cuttings Music komponiert. Die Scherenschnitte und die Musik dienten dann wiederum jeweils als Vorlage für Videoanimationen, die der Kopenhagener Videokünstler Troelz Schmidt erstellte. Zudem hat Winkler sechs Geschichten aus Andersens „Bilderbuch ohne Bilder“ ausgewählt, sie werden von einem Sprecher gelesen.