Oliver Schneller

Immer wirken Schnellers genau austarierte Stücke stringent und offen zugleich, und oft rufen sie im Hörer überraschende Assoziationen hervor. Aus einem mikrointervallischen Kanon für Klavier und Live-Elektronik kann da ein Meer von Glocken werden, aus einem Streichtrio ein Endzeitszenario. 1966 in Köln geboren, gehört Oliver Schneller zu einer Komponistengeneration, die den Computer selbstverständlich als ein Mittel unter anderen nutzt; davon zeugen auch Klanginstallationen wie die polyphone Städtecollage „Polis“ im Berliner Gropiusbau. In seinen jüngsten Werken entdeckt Schneller – 2010 mit dem Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung ausgezeichnet – sich selbst als Subjekt. Indessen ist etwa „Stratigraphie“ das archäologische Modell einer Selbsterkundung, nicht deren Ausbeute. Auch hier ist in seiner Musik, im Eigenleben der Klänge Raum für die Erfahrungen und Emotionen der Hörer – und für magische Momente.

Volker Hagedorn




Rezension von Stefan Drees