Lutz Glandien


Die Werke auf dieser CD markieren wesentliche Entwicklungen im kompositorischen Schaffen von Lutz Glandien bis zum Herbst 1989. Es sind Beispiele einer musikalischen Sprachfindung, die in besonderem Maße von den Möglichkeiten und Grenzen des Lebens und Studierens, der musikalischen Erfahrungen und ästhetischen wie auch ideologischen Auseinandersetzungen in der DDR geprägt wurde. Es ist eine merkwürdige Einsicht im Rückblick auf dieses an sich selbst zerbrochene Land, dass, verglichen etwa mit dem ehemaligen Westdeutschland, mit der Schweiz oder Österreich, diese sozialen Bedingungen so deutliche Spuren in der Eigenart einer Musik hinterlassen haben.
Zugleich aber stehen die hier zusammengestellten Kompositionen, unabhängig von ihrer stilistischen Verschiedenheit, nur für die eine ästhetische Absicht, die Lutz Glandien für sein eigenes Schaffen als fragwürdig empfindet: für die anonyme, sich auf niemanden beziehende Musik als Kunstwerk im traditionellen Sinne, das in den sich selbst genügenden Regelkreisen des Neue-Musik-Konzertbetriebs meist nur einmal ausgeführt wird und danach im Fundus der Musikgeschichte versinkt.

Gisela Nauck