4. Juli 2014, 19.30 Uhr - St. Elisabeth-Kirche
Invalidenstr. 3, 10115 Berlin



Vom Aussprechen und vom Verschweigen

Von Genua nach Meuselwitz und weiter nach Phantasia

Fiktion oder Realität - wo sind wir gerade? Wer ist sich da schon immer so ganz sicher? Sicher ist in unserer Programmauswahl, dass Luigi Nono Anfang der 1960er Jahre Maschinengeräusche in einem Walzwerk aufgenommen und in seiner Tonband-Komposition La fabbrica illuminata verarbeitet hat, mit der er unmenschliche Arbeitsbedingungen beschreibt und anklagt. Sicher ist auch, dass Wolfgang Hilbig in den 1970er Jahren als Heizer in einer Fabrik in Meuselwitz (heute Sachsen, Fotos: Dieterich Oltmanns) arbeitete, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen und nicht als „asoziales Element“ Schwierigkeiten mit der Staatsmacht zu bekommen. Mit seinem Text Die verlassene Fabrik gleiten wir auch schon in den Bereich der Fiktion hinüber und sind in Elena Mendozas Relato improbable ganz sicher dort gelandet - in der Erzählung El álbum von Juan Carlos Onetti, in der der Autor zwischen Erfindung und Wahrheit changiert. Am Ende des Konzerts wird uns mit Luigi Nonos Guai ai gelidi mostri der Boden einer geschlossenen Textvorlage gänzlich entzogen, dafür erhalten vereinzelte Worte aus verschiedenen Texten Raum für klangliche Entwicklungen, die sich in extremer Dynamik entladen.

Die Übermittler dieser Erzählungen und Berichte sind drei Sängerinnen, ein Sprecher, eine auch sprechende Akkordeonistin, Live-Elektronik und das ensemble unitedberlin unter der Leitung von Andrea Pestalozza.




Andrea Pestalozza wurde in Mailand geboren und war zunächst als Pianist und Schlagzeuger aktiv. Seine Karriere als Dirigent begann er bei dem von ihm begründeten Ensemble Orfeo. Auf Einladung des Komponisten dirigierte er bald darauf Werke von Luciano Berio beim Orchestre National de France. Sein Repertoire reicht von Bach bis zur zeitgenössischen Musik. Eine besonders enge Beziehung besteht seit 1990 zu György Kurtág, ebenso ist er ein leidenschaftlicher Interpret der Werke Toshio Hosokawas. Mit dem ensemble unitedberlin hat Andrea Pestalozza schon mehrfach zusammengearbeitet, zuletzt in einer Aufführung von Michael Jarrells Kassandra mit Anna Clementi zur MaerzMusik 2013.






Das Konzert wird gefördert von

initiative neue musik berlin / konzert des deutschen musikrates / Kulturbüro SOPHIEN / Italienisches Kulturinstitut Berlin / in Kooperation mit dem Elektronischen Studio der TU Berlin, Fachgebiet Audiokommunikation

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