3. Konzert am 2. März 2010, Konzerthaus Berlin

Vom Gehorsam. Von der Verweigerung.

Protagonist: Jakob Ullmann


... PRAHA: celetná – karlova – maiselova ist in gewisser weise ein fazit und der versuch, eine alte schuld abzutragen. In der ddr lebten kunst und künstler sicher in einer der komfortableren nischen jener gesellschaftlichen ordnung vorgeblichen sozialismus, der sich in geradezu beschwörender weise „real existierend“ nannte (wohl weil er es nicht war). Wir haben von den kollegen in weit weniger komfortablen nischen lernen und zehren können, dies sollte nicht vergessen werden. Ebenso wenig sollte vergessen werden, dass „real existierender sozialismus“ und ddr ergebnis einer geschichte sind, die von deutschland aus verbrechen und mord bis dahin ungekannten ausmaßes auch und gerade über osteuropa gebracht hat. Die namen der vielen ermordeten menschen aus prag und umgebung, die in diesem stück eher präsent als hörbar sind, erinnern mit der prager rathausuhr an die dem künstler vergehende zeit und seine verpflichtung, seine verantwortung auch da noch wahrzunehmen, wo sie sogar jenseits der hoffnung auf eine zukunft allenfalls in der erinnerung an vergangenes sich tätig vollzieht.

Jakob Ullmann


Podcast zum Konzert: Jakob Ullmann im Gespräch 15. 02. 2010 (ca. 32’)


Videocast zum Konzert: Jakob Ullmann im Gespräch 15. 02. 2010 (ca. 12’)

jakob ullmann

Programmhefttext